Kasbek vom Norden: 2014 und 2015

Kasbek vom Norden: 2014 und 2015

Kasbek Postkarte

Kasbek – der Berg, an dem Prometheus gekettet wurde

Hoch über deiner Brüder Chor,
Kasbek, strebt stolz dein Zelt empor
Und strahlt, im ewgen Eise flimmernd.
Weiß hinter Wolkenschleiern schimmernd,
Schwebt Noahs Arche gleich im Raum
Dein altes Kloster, sichtbar kaum.
Du ferner, heißersehnter Ort,
Könnt ich aus enger Schlucht aufsteigen
Zu dir, und fänd` der Freiheit Hort,
Den Frieden in der Zelle Schweigen,
Gott nah hoch über Wolken dort
Alexander Puschkin, 1829

 

Kasbek von Norden 2015

Kasbek vom Norden am 16. September 2015

Hallo Iris und Alexey,

wenn auch etwas verspätet, möchte ich Euch nach 2013 sehr gern erneut ein paar Zeilen für Euer „Gästebuch“ schreiben. Zum zweiten Mal bin ich mit Euch nicht nur als Kunde, sondern auch als Freund unterwegs gewesen. Bereits im Juli 2013 am Elbrus vom Norden konnte ich allerbeste Erfahrungen sammeln. Seit dieser Zeit verbindet mich mit Euch eine feste Bergkameradschaft. Die von Alexey mit viel Umsicht und Begeisterung für seine Heimat organisierten Touren haben bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen.

Auch bei einigen anderen Bergfreunden unserer Sektion Chemnitz des DAV sind Eure Agentur Elbrus – Erlebnisreisen in Potsdam und die Qualität der Touren bestens bekannt.

Von Mineralnyje Wody aus kommend mit Zwischenstation in dem bereits bekannten Intourist-Hotel in Pjatigorsk, weiter über Wladikawkas durch die Karmadon-Schlucht in Nordossetien erreichen wir am 12. September 2015 unser Ausgangslager in ca. 2.300 m Höhe, unmittelbar an heißen Quellen gelegen. Zunächst sind Regen am Tag und Schnee in der Nacht angesagt. Die richtige Akklimatisierung gelingt uns mit einem Auf- und Abstieg von 800 Höhenmetern ohne Gepäck. Einen Ruhetag gönnen wir uns bei der mittlerweile wesentlich besseren Wetterprognose dann nicht mehr, nachdem wir uns im Lager auf ca. 4.200 m häuslich eingerichtet haben. Der Aufbruch gegen 4.00 Uhr ist ausreichend und nach genau 5:40 h erreichen wir zu viert den Gipfel am Ostrand des Zentralkaukasus. Allein schon der Blick hinüber zum ca. 175 km entfernten Elbrus-Massiv entschädigt für viele der Strapazen.

Das große Gipfelglück kann ich erst im Tal richtig realisieren, aber ein Jahr Vorbereitung über alles mit Hoffen und Bangen haben sich gelohnt. Lediglich sechs Tage und Nächte sind wir direkt am Berg unterwegs und damit verbleibt endlich auch etwas mehr Zeit als geplant, um Land und Leute besser kennen zu lernen. Das darf im Kaukasus einfach nicht zu kurz kommen. Unvergänglich für immer sind beeindruckende Gipfelerlebnisse und großartige Erinnerungen an eine traumhafte und unberührte Bergkulisse.

Euch beiden und natürlich ganz besonders auch Anatoli aus Wladikawkas ein herzliches Dankeschön für die ausgezeichnete Unterstützung bei der Erfüllung eines ganz großen Bergsteigerwunsches, welcher nach dem Abstieg vom Elbrus in mir reifte.

Am 27. September 2016 zum Stammtisch des DAV Chemnitz (www.dav-chemnitz.de) und am 24. November 2016 im Kirchgemeindehaus Burgstädt (www.wanderverein-burgstaedt.de) werde ich in meiner Heimat von dieser großartigen Bergtour und der gesamten Reise nach Südrussland ausführlich berichten.

DANKE, Euer Bergkamerad Uwe Trenkmann (58) aus Burgstädt

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Kasbek von Norden 2014

Wenn man vom Kaukasus spricht, erinnert man sich in erste Linie an zwei Berge – den Elbrus im Zentralkaukasus und den Kasbek im Ostkaukasus. Beide Berge wurden schon von den antiken Geographen, darunter auch vom Vater der Geographie Eratosphen erwähnt. Auch in der altgriechischen Mythologie wurde der Berg als Ort erwähnt, wo Prometheus von rachesüchtigen Göttern angekettet wurde, weil er das Feuer beim Schmiede Gott Hephästus – Sohn des Zeus – für die Menschen auf der Erde stahl.

Die Georgier nannten diesen Berg Mqinvartsveri – auf Deutsch „der von Eis bedeckte“. Die Osseten nennen diesen Berg auch heute „Zeristi Jub“ (Berg Christi). Der heute bekannte Name Kasbek ist abgeleitet vom Namen des in dieser Gegend geborenen georgischen Schriftstellers Alexander Qasbegi (1848 – 1893) entstanden. Die Siedlung am Fuß des Berges, hieß bis 2006 Qasbegi (Kasbegi) – in dieser Siedlung wurde Alexander Qasbegi geboren. Heute hießt sie Stepanzminda. Durch diese Siedlung verläuft die Georgische Heerstraße, die Russland und Georgien miteinander verbindet. Das ist die einzige heute befahrbare Straße über den Hauptkamm des Kaukasus.

Unterhalb des Gipfels steht auf der Höhe 2170m die Kirche Zminda Sameba (auf Deutsch Dreifaltigkeitskirche). Sie wurde im 14. Jahrhundert erbaut und ist die einzige Kuppelkirche im georgischen Gebirge. Das ist dar bekannteste Postkarten Motiv Georgiens. Über Jahrhunderte beherbergte sie den georgischen Kronschatz und das Weinrebenkreuz der Heiligen Nino. Die Heilige Nino hat das Christentum nach Georgien gebracht.

Der Kasbek liegt in der Mitte zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer und ist ein erloschener Vulkan. Die letzte Eruption war 750 vor Christus. Der Berg gehört zur Choch-Kette, einem nördlichen Ausläufer des Hauptkammes des Großen Kaukasus.

Der Berg wurde 1868 von Douglas Freshfield (Expeditionsleiter), Adolfus Moore, Charles Tucker und einem Schweizer Bergführer erstmals bestiegen. Er ist für die Bergsteiger durch die 1788 fertig gestellte georgische Heerstraße, die am Fuß des Berges verläuft, gut zugänglich. Durch eine auf der Höhe 3600m im Jahre 1936 erbaute, meteorologische Station, die heute zur Schutzhütte umgebaut ist, steht eine gute Unterkunft für Gipfelstürmer zur Verfügung. Der normale Aufstieg ist technisch nicht schwierig und führt über flache bis mäßig steile Gletscher. Aus diesem Grund finden die meisten Besteigungen des Berges über diesen – als klassisch geltenden Weg statt. In der Sommersaison streben Hunderte von Bergsteigern über diesen Weg zum Gipfel. Der Berg genießt stark steigende Beliebtheit unter den europäischen Bergsteigern.

Unsere Expedition fand aber von der anderen – der nördlichen Seite des Berges, vom russischen Territorium aus statt (der Kasbek liegt an der Grenze zwischen Georgien und Russland). Diese Gegend in der russischen Teilrepublik Nordossetien ist touristisch überhaupt nicht erschlossen, relativ wenig besucht und deshalb ist er für mich viel interessanter. Die 5 Köpfige Gruppe aus Deutschland landete am 31. Juli 2013 auf dem Flughafen Mineralnye Wody. Ein Tag verbrachten wir in Pjatigorsk. Die Ausrüstung wurde gecheckt, fehlende Teile und Gaskartuschen für die Kocher gekauft. Den Rest des Tages widmeten wir dem Bummeln durch die charmante Altstadt Pjatigorsk. Lebensmitteln für die Expedition wurden schon im Voraus eingekauft und verpackt. Am nächsten Tag, 1. August starteten wir in Richtung Genaldon Tal zum nördlichen Fuß des Kasbek. Wir fuhren 250 Km über die größtenteils im guten Zustand befindende Landstraße am Elbrus vorbei, durch Kabardino-Balkarien, Chechnya und Nordossetien. Kurz vor dem Ziel besichtigten wir sehr interessante historische Denkmäler der Alanen (Vorgänger der heutigen Osseten) – Totenstadt und Wachtürme aus dem 14. – 16. Jahrhundert. Nur die letzten 18 Km im Genaldon Tal ist der Weg ohne Belag und recht holprig. Hier trafen wir unseren einheimischen Bergführer, Mitarbeiter der Bergwacht Anatolij, der uns weiter begleitete. Nach dem Mittagsessen nahmen wir unsere Rücksäcke auf die Schultern. Wir liefen ca. 4 Stunden über den Pfad leicht steigend durch das wunderschöne grüne Tal. Den Gipfel sahen wir noch nicht, aber unser Basislager schlugen wir in der Nähe des Gletschers Kolka an den heißen Thermalquellen Karmadon in der Höhe von 2300 m auf. Das stark mineralisierte, heiße Wasser der Quelle (43-45C°) hat heilende Wirkung bei den Erkrankungen des Gelenk- und Knochensystems. Hier sind einige einfache in der Erde gegrabene „Badewannen“ in welche wir gleich eintauchten. Am nächsten Tag unternahmen wir einen Akklimatisierungsausflug über den Gletscher bis zur Höhe 3200 m und brachten auch einen Teil unseres Proviants hinauf. Der Zustieg zum Gletscher ist steil und wir legten einige Seillängen Fixseile. Nach der Rückkehr zum Basislager genossen wir wieder ein heißes Bad – Balsam für die Seele und den müden Körper, denn in den nächsten Tagen werden wir nur Schmelzwasser vom Schnee haben.

Am dritten Tag bauen wir die Zelte ab, lassen etwas Proviant für den Rückweg und einige für den Gipfelsturm unnötige Sachen unter den Steinen versteckt zurück, und begannen den Aufstieg. Den Gipfel sahen wir immer noch nicht. Wir passierten schon einen bekannten Weg über den Gletscher und nnen den Aufstieg über die steile, steinige Flanke des rechten Ufers des Gletschers. An mehreren Stellen mussten wir Sicherung anlegen. Auf den steilen Felsen verschwandt der Pfad und wir erahnten den Weg nur an den Kratzern an den Felsen und Spuren der früheren Sicherung. In diesen 3 Tagen sind nur 2 kleine russische Gruppen an uns vorbei abgestiegen. Beide Gruppen haben den Gipfel geschafft und gehen beflügelt und begeistert dem Bier und dem heißen Bad entgegen runter. Sie haben uns berichtet, dass oben keine weiteren Menschen sind. Gegen Abend erreichten wir für die Übernachtung geplanten Platz in der Höhe von 3600m. Das Genaldon Tal unter uns und der Kolka Gletscher sind im Nebel, über uns der blauer Himmel. An bestimmten Stellen gab es  nur ein schwaches Handy Netz (die Großstadt Wladikawkas liegt kaum 50 km in Luftlinie entfernt). Wir holten uns eine Wettervorhersage für die nächsten Tage ein. Sie war nicht erfreulich, aber Anatoliy blieb gelassen: „Wettervorhersagen in dieser Gegend ist nicht viel zuverlässiger, als Zukunftsvorhersagen mit Kartenlegen“. Also, unsere Chancen blieben „fifty-fifty“.

Am nächsten frühen Nachmittag erreichten wir das Plateau Maili in der Höhe 4200m. Von hier aus sahen wir das erste Mal unser doppelköpfiges Ziel – den Kasbek Gipfel. Hier, am Rand des Gletschers schlugen wir unser Sturmlager auf. Von hier aus beginnt der Gipfelsturm. Wir lagen gut in der Zeit, hatten genug Reservetage und beschloßen für eine bessere Akklimatisierung den nächsten Tag der Erholung vor dem Gipfelsturm zu widmen. An diesem Tag unternahmen wir kleine Wanderungen in der Umgebung, „knipsten“ viele Fotos, und genossen den prächtigen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen sollen wir um 6 Uhr starten. Der Himmel ist klar und wolkenlos, aber der Wind sehr stark und eiskalt. Nach eine Stunde Verzögerung gingen wir gen Gipfel los. Der Gletscher hat Spalten, sie sind größtenteils vom Schnee gedeckt und nicht immer zu sehen. Wir gingen am Seil. Der Wind nahm zu und war sehr kalt. Man konnte weiter gehen, aber ohne großen Genuss. Die Stimmen in der Gruppe zum Abbruch des Aufstieges wurden lauter. Na gut, wir haben noch ein Reservetag – versuchen wir unser Glück morgen. Wer riskiert, der gewinnt. Riskiert haben wir die Möglichkeit überhaupt auf den Gipfel zu kommen, gewonnen haben wir den Gipfel beim glänzenden Wetter mit schwachem Wind. Im Laufe des Tages hat der Wind nachgelassen und über die Nacht war es fast windstill geworden. In 3 Stunden nach dem Start waren wir schon auf dem Sattel zwischen den beiden Gipfeln des Kasbek. Ab der Höhe 4600m fliest unser Weg mit dem klassischen Aufstiegspfad von der Südseite zusammen. Deshalb gingen schon einige Bergsteiger vor uns, hinter uns und auch uns entgegen. Vom Sattel aus ist noch ein kurzer, ziemlich steiler Aufstieg und wir waren auf dem Gipfel! Im Osten erheben sich weitere 5 Fünftausender des Kaukasus und der gewaltige weiße Elbrus. Als besondere Belohnung sind wir auf dem Gipfel allein. Von der Südseite haben die Bergsteiger 1400 Höhenmeter zu bezwingen und einen viel längeren Weg. Deshalb müssen sie viel früher starten und nachmittags sind fast alle schon auf dem Rückweg. Der Abstieg bis zu unseren Zelten nimmt knappe 2 Stunden in Anspruch. Aber um im Zeitplan zu bleiben müssen wir uns doch anstrengen. Nach der Pause und dem heißen Tee bauten wir unsere Zelte ab und begannen den Abstieg. Der Schnee ist nachmittags ziemlich weich und wir wählten für den Abstieg das lange Schneefeld auf dem Gletscher, das uns fast bis zu unserer Übernachtungsstelle in der Höhe 3600m führte. Die Konzentration nach einem solch anstrengenden Tag lässt nach und wegen der Sicherheit gingen wir den ganzen Weg an Fixseilen. Am nächsten Tag steht uns die steile Strecke bis zum Gletscher bevor. Aber nach der erholsamen Nacht in den Zelten bewältigen wir sie souverän. Nachdem Abstieg vom Gletscher tauchten wir sofort in unsere heißen Badewannen hinein. Was für eine Wonne!

Was bleibt noch zu sagen: Der Kasbek ist historisch, landschaftlich, kulturell und sportlich ein sehr interessanter Berg. Sowohl von der Süd- als auch von der Nordseite. Jeder Weg hat eigene Schwerpunkte: Südroute – Kultur und Geschichte (man lernt auch die neue und alte Hauptstadt von Georgien Tiflis und Mzcheta, einzigartige Gebräuche, Sitten, die Küche und die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Georgier kennen. Diese Route ist auch sehr gut für die Skitouren im Frühling geeignet. Die Nordroute – unberührte Natur, sportliche, selbständige, technisch anspruchsvolle Bergbesteigung; kulturelle und geschichtliche Denkmäler der Osseten unterwegs zum Berg (einzigartige Totenstadt und Wachtürmer aus 13. – 16. Jahrhundert, die in der Liste der Weltkulturerbe der UNESCO stehen).

Alexios Passalidis – Expeditionsleiter.

www.elbrus-reisen.de

Teilnehmer der Expedition:

Alexios Passalidis – Organisator und Leiter der Expedition Potsdam

Monika Müller Hessen

Klaus Müller Hessen

Armin Trube Hessen

Monique Albrecht Thüringen

Rene Albrecht Thüringen

Anatolij Abissalow einheimische Bergführer Wladikawkas Russland

Eugen Rusin Helfer Pjatigorsk Russland

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Fähigkeiten

Gepostet am

20. Juli 2015